HyCentA baut Flüssigwasserstoff-Forschung aus: Neues Liquid Hydrogen Lab entsteht in Enns
Mit dem neuen Liquid Hydrogen Lab (LHL) baut HyCentA seine bestehenden Forschungs-, Entwicklungs- und Prüfkompetenzen gezielt aus. Baubescheid und Betriebsanlagengenehmigung liegen bereits vor, das Projekt befindet sich in der Umsetzungsphase. Insgesamt werden rund 6,6 Millionen Euro in die neue Infrastruktur investiert. Davon werden 5 Millionen Euro durch das Bundesministerium für Innovation, Mobilität und Infrastruktur (BMIMI) im Rahmen des FFG-Programms „Energieforschung 2024 FTI-Fokusinitiativen“ gefördert. Weitere rund 1,6 Millionen Euro werden von TEST-FUCHS Aerospace Systems GmbH und HyCentA aufgebracht. Das Land Oberösterreich wird den Betrieb der neuen Infrastruktur sowie den Ausbau hochqualifizierter Forschungsarbeitsplätze unterstützen. Von der neuen Forschungs- und Testinfrastruktur sollen Anwendungen in Industrie, Luftfahrt, Raumfahrt, Straßen- und Schienenverkehr sowie Schifffahrt profitieren.
Das Vorhaben wurde im Rahmen eines Presseevents am zukünftigen Standort in Enns gemeinsam mit Vertreter:innen aus Wissenschaft, Politik und Forschungsförderung vorgestellt. Am Pressebriefing nahmen unter anderem Vertreter:innen der TU Graz, der Upper Austrian Research GmbH, des Landes Oberösterreich, der FFG bzw. des BMIMI sowie der HyCentA-Geschäftsführung teil.
Testen bei minus 253 Grad Celsius
Flüssigwasserstoff wird bei Temperaturen von rund minus 253 Grad Celsius gespeichert. Entsprechend hoch sind die Anforderungen an Werkstoffe, Komponenten und Gesamtsysteme. Das neue Labor schafft Möglichkeiten für Materialuntersuchungen bei kryogenen Temperaturen sowie für Komponenten- und Systemtests, etwa an Speichern, Pumpen, Ventilen, Sensorik, Transfer- und Betankungssystemen und wasserstoffbasierten Antriebstechnologien.
Mehrere Testplätze sowie eine freie Testfläche ermöglichen auch die Untersuchung größerer Systeme und Komponenten. Herzstück der Infrastruktur ist ein stationärer Flüssigwasserstofftank mit einer Kapazität von rund 4.400 kg LH₂, aus dem Massenströme von mehr als 5.000 kg pro Stunde bereitgestellt werden können. Ergänzend steht ein Konditionierbehälter für Versuche bei Drücken bis 36 bar zur Verfügung. Damit können insbesondere für maritime Anwendungen, die Luftfahrt und den Straßenverkehr relevante LH₂-Massenströme und Betriebsbedingungen realitätsnah abgebildet werden. Die experimentelle Infrastruktur wird durch eine leistungsfähige virtuelle Entwicklungsumgebung für hochauflösende 3D-CFD-Simulationen, Digital Twins und virtuelle Produktentwicklung ergänzt. Dadurch können physische Versuche und digitale Methoden eng miteinander verbunden werden, um neue Technologien gezielt weiterzuentwickeln.
Von der Forschung bis zur industriellen Anwendung
Der neue Standort ist ein strategischer Ausbau der bereits bestehenden Forschungs-, Entwicklungs- und Prüfkompetenzen in Graz. Das LHL bietet Unternehmen und wissenschaftlichen Partner:innen eine Infrastruktur, in der neue Materialien, Komponenten und komplette Systeme unter realitätsnahen industriellen Bedingungen entwickelt, untersucht und validiert werden können.
Die Verbindung mit den bestehenden Forschungsaktivitäten des HyCentA in Graz schafft zusätzliche Synergien. Das Zentrum deckt bereits heute die gesamte Wasserstoff-Wertschöpfungskette ab: von der Erzeugung von grünem Wasserstoff über Speicherung und Verteilung bis hin zur Anwendung.
Durch die Erweiterung nach Enns ergeben sich umfangreiche Möglichkeiten für die Forschung an Flüssigwasserstoff und kryogenen Technologien. Bereits zum Start werden drei Mitarbeiter:innen vor Ort tätig sein, erste Forschungsprojekte auf nationaler und europäischer Ebene sind gesichert.
„Durch die Kombination aus experimenteller Testinfrastruktur, Prüfmöglichkeiten für größere Systeme und digitaler Entwicklungsumgebung entsteht mit dem Liquid Hydrogen Lab eine in Europa einzigartige Plattform für Forschung, Entwicklung und industrielle Innovation im Bereich Flüssigwasserstoff. Damit leistet die neue Infrastruktur einen wichtigen Beitrag zur Weiterentwicklung emissionsfreier Technologien für die Industrie und Mobilität von morgen“, sagt Gisele Amancio, CEO & Business Director von HyCentA.